Waschbär, Bedrohung für die Zivilisation?

Verantwortlich handeln

Das Zusammenleben von Mensch und Natur kann Konflikte bergen. Wenn sie auftreten, sollten sie sinnvoll und zielgerichtet bearbeitet werden. Waschbären sind dann eine Bedrohung, wenn sie in Häuser einbrechen oder ihren Kot auf Spielplätzen hinterlassen. Die Wetterauer Zeitung hat im Artikel über die Stadtverordnetenversammlung die Argumentation am Donnerstag falsch zitiert, denn Grüne setzen sich für das Wohlergehen von Kindern und Bürgern ein, wehren sich aber gegen den reflexartigen Ruf nach Tötung, ohne den Nachweis der Gefahr vorgelegt zu bekommen und ohne Lösungsalternativen betrachtet zu wissen.

Der Antrag der CDU fordert den Magistrat auf, mit Jagdpächtern die Waschbären zu bekämpfen. Hierzu soll die Art bejagt werden. Zusätzlich sollen Stadtangestellte Fallen aufstellen. Das Handeln wird vorgegeben, ohne andere zielführende Bekämpfungsmethoden zu berücksichtigen. Besser wäre es, den Magistrat zu beauftragen, sich der eventuell vom Waschbären ausgehenden Gefahr zu widmen und sich dabei sachkundige Unterstützung zu holen. Ob tatsächlich in Friedberg eine Gefahr durch Waschbären besteht, können einzelne Stadtverordnete nicht beurteilen. Wie verhindert werden kann, dass Waschbären in Häuser einbrechen und sich durch Siedlungsgebiete bewegen, haben Naturschutzverbände im Internet ausführlich und differenziert dargestellt. Dabei wird auch in Frage gestellt, ob der Waschbär (im Vergleich zu anderen Tierarten wie z.B. Igeln und verwilderten Hauskatzen) die größte Gefahr für die Verbreitung von Spulwürmern darstellt. Bislang spricht der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor von einem einzigen Fall in ganz Deutschland, in dem ein Befall der Augen durch den Waschbärspulwurm dokumentiert ist. Todesfälle hat es in Deutschland nicht gegeben.

In den Studien, aus denen die Naturschutzverbände zitieren, wird darauf hingewiesen, dass eine Tötung von Waschbären oft nicht den gewünschten Effekt hat, weil neue Tiere in die dann unbesetzten Reviere einwandern. Die Grünen wollen daher unter Einbeziehung von Sachverständigen im Ausschuss diskutieren, welche Maßnahmen zum Schutz von Kindern sinnvoll und effektiv sind. Sie wollen keine Steuermittel für Maßnahmen zu verschwenden, die keinen nachhaltigen Effekt haben.

Gerade im Rhein-Main-Gebiet wird der Lebensraum für die Natur und wildlebende Tiere immer weiter eingeschränkt. Dabei profitiert der Mensch auch von den Waldgebieten und den Naturräumen. Die Bedürfnisse des Menschen können berücksichtigt werden ohne dass die Natur brutal zerstört wird. Im Gegenteil muss in die Aufwertung der Lebensräume für Tiere investiert werden, damit diese nicht in die urbanen Gebiete ausweichen müssen.

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