Klima

Der Klimawandel stellt neben dem Biodiversitätsverlust die größte Gefahr für unser Überleben als Menschheit dar. Dieser muss auf allen Ebenen bekämpft werden. Andererseits ist er schon jetzt Realität – und die Kommunen müssen ihre Bürger vor den Folgen schützen. Wir brauchen also Klimaschutz und Klimaanpassung.

Klimaschutz

Es geht um die Reduktion des CO2-Ausstoßes in Friedberg und um Festlegung von Kohlenstoff in gebundener Form (Humus, Biomasse).

Alle Maßnahmen zum Klimaschutz in unserer Stadt sollten durchdacht und koordiniert werden. Das braucht Wissen und planvolles Handeln. Das Wissen um Tatsachen und Zusammenhänge sollte in alle Bereiche der Verwaltung Einzug halten. Zur Koordination fordern wir eine*n Klimaschutzmanager*in, der oder die die Erarbeitung und Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes inklusive Bürgerbeteiligung vorantreibt. Wir wollen erreichen, dass alle Entscheidungen unter Klimaschutzvorbehalt gestellt werden, d.h. alle Entscheidungen sind auf ihre Klimaauswirkungen zu prüfen, der klimaschutzfreundlichsten Variante ist Vorrang einzuräumen. Dafür muss es einen Klimaschutzposten im Haushalt geben, aus dem eventuelle Mehrkosten bezahlt werden. Dies sehen wir als wichtige Investition in die Zukunft an, die gleichzeitig die Innovation in der Wirtschaft unterstützt. Wirtschaftlichkeit darf nur noch so errechnet werden, dass die Folgekosten für die Gesellschaft eingepreist sind. Die Vorbildfunktion der Stadt im Klimaschutz muss sichtbar werden.

Insbesondere fordern wir:

  1. Die Formulierung von Klimaschutzzielen, die mit den Zielen oder dem Übertreffen des Pariser Vertrages konform sind.
  2. Treibhausgasausstoß in der Verwaltung und im Handeln der Stadt Friedberg sind zu identifizieren und wo immer möglich zu verringern.
  3. Wenn mögliche Treibhausgassenken identifiziert werden können, ist deren Funktion als Senke zu fördern. Dies trifft z.B. für den Wald zu, für Moorreste und die landwirtschaftlichen Böden als Kohlenstoffsenken.
  4. Beim öffentlichen Beschaffungswesen ist dem klimafreundlichsten Produkt Vorrang einzuräumen.
  5. Bei Ausschreibungen und Bebauungsplänen sind die Bedingungen so zu formulieren, dass der Klimaschutz berücksichtigt wird, beispielsweise bei Vorgaben an Dämmung und Energieversorgung sowie der Art der Baustoffe.
  6. Verpachtungen von Landwirtschaftsfläche ist an Klimaschutzauflagen zu koppeln, z.B. humusanreichernde Bewirtschaftung.
  7. Die Gebäude im Besitz der Stadt Friedberg müssen schnellstmöglich mit recycel- und erneuerbaren Dämmstoffen energieeffizient gestaltet werden.
  8. Die Stadt muss die Erzeugung erneuerbarer Energien vorantreiben. Dazu bietet sich Windkraft am Winterstein an, aber auch Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden oder Kalte Nahwärme. Weitere Optionen wie Kleinwindkraftanlagen im Feld, z.B. in Lücken von Windschutzgehölzen, sind nach Stand der Technik immer wieder auf Effizienz zu prüfen und in das Konzept zu integrieren, sobald sie sich lohnen.
  9. Die Stadt sollte für den Klimaschutz mit den Energieversorgungsunternehmen kooperieren. Die Stadt muss die Effizienz der Energieversorgung weiter voranbringen, z.B. die Kraft-Wärme-Kopplung.
  10. Energieeinsparung ist der beste und ressourcenschonendste Weg zum Klimaschutz. Daher gehört dazu, dass die nötige Infrastruktur für Bürger*innen auf kurzem Weg erreichbar ist.
  11. Wie im Bereich Verkehr angeführt, trägt ein Verkehrskonzept, dass Radfahren, Zufußgehen und den ÖPNV attraktiv macht, zum Klimaschutz bei.
  12. Die eigene Fahrzeugflotte der Stadt muss klimafreundlich werden, z.B. auch mit Dienst- und Lastenfahrrädern.
  13. Auch in den Ausschreibungen für den ÖPNV muss der Klimaschutz ein wichtiges Kriterium sein, also vor allem die Fahrzeugtechnik.
  14. Die Stellplatzsatzung der Stadt muss dahingehend angepasst werden, dass Hausbesitzer keine Stellplätze nachweisen müssen, wenn sie auf Autos dauerhaft verzichten.
  15. Um wichtige Akteure an einen Tisch zu bringen, soll es einen Runden Tisch zum Klimaschutz geben.
  16. Wichtig sind auch Anreize zu Klimaschutz durch Bürger, Institutionen und Firmen sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Dafür müssen Mittel bereitgestellt werden und z.B. Wettbewerbe stattfinden. Auch die Wirtschaftsförderung muss auf klimaschützende Betriebe ausgerichtet werden.
  17. Die Bewirtschaftung des Stadtwaldes muss als oberstes Ziel die Kohlenstoffbindung haben, im Holz wie im Boden. Hier sollte als nächstwichtigstes Kriterium die Biodiversität stehen.
  18. Da versiegelte Flächen keinen Kohlenstoff binden können, muss der Flächenverbrauch auch aus Klimaschutzgründen gestoppt werden (s.a. Naturschutz und Ernährungssicherheit). Bebauung für möglichen Bevölkerungszuwachs darf nur auf bereits versiegelten Flächen erfolgen (Kasernengelände, Nachverdichtung).
  19. Städtische Geldanlagen und die Geldanlagen der Sparkasse Oberhessen, an der die Stadt beteiligt ist, müssen klimaneutral sein oder Kohlenstoffsenken fördern, z.B. Schlagwort Kohle-Divestment.
  20. Beim Thema Abfall muss Abfallvermeidung gefördert werden, der klimafreundlichsten Entsorgung der Vorrang eingeräumt werden.

Klimaanpassung

Die Stadt hat mit der Stadtplanung wie dem Landschaftsplan wichtige Instrumente in der Hand, mit der die Folgen des Klimawandels für die Bevölkerung abgemildert werden können. Diese gilt es gegen Überhitzung, Dürre, Sturm und die Folgen von Starkniederschlägen zu nutzen.

Insbesondere fordern wir:

  1. Baumpflanzungen, wo immer sinnvoll
  2. Wasserhaltung im Boden durch geeignete Bepflanzung
  3. Anlage von Windschutzgehölzen, Feldgehölzen, Hecken und Alleen
  4. eine klimaangepasste Grünflächenbepflanzung oder -einsaat und Grünflächenpflege
  5. Dach- und Fassadenbegrünung auf öffentlichen Gebäuden (in Ergänzung zu Photovoltaik)
  6. Entsiegelung von Flächen für Wasserversickerung und Begrünung
  7. Regenrückhalt an vielen Stellen der kommunalen Flächen, z.B. im Wald, auf Plätzen, an Straßen (Versickerungsmulden), Vorschrift versickerungsfördernder Bewirtschaftung kommunaler landwirtschaftlicher Flächen (Konturpflügen u.ä.)
  8. Festlegung von Regenrückhaltung in Bebauungsplänen (Zisternen, Versickerung, Regenrückhaltebecken)
  9. Vorschrift kühlender Bauweise und von Regenrückhaltung in Bebauungsplänen
  10. hitzebeständige und hitzeabweisende Straßenbeläge
  11. Förderung des Einbaus von Zisternen und Entsiegelung im Privatbereich (z.B. durch die Abwassergebühr)