
Dass der öffentliche Nahverkehr trotz großer Aufmerksamkeit und finanzieller Mittel vor großen Herausforderungen steht, konnte Veit Salzmann, Geschäftsführer der Hessischen Landesbahn auf der Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen Friedberg in vielen Facetten darstellen. Die Engpässe der bestehenden Infrastruktur sind schon heute deutlich zu spüren und die notwendigen Erweiterungen wie z.B. die Westtangente und die Maßnahmen aus Frankfurt 2030 werden noch einige Jahre benötigen und nicht ausreichen, alle Anforderungen der Zukunft zu erfüllen. Anhand der derzeitigen Ausschreibungen erläuterte er, dass auch die Reaktivierung der Horlofftalbahn und der Lumdaltalbahn berücksichtigen werden, Aktivitäten die trotz bester Vorbereitungen noch einige Jahre benötigen, was die Vertreter der Bürgerinitiative Horloffbahn nur widerwillig zur Kenntnis nahmen. Die aktuellen Probleme mit Ausfällen und Verspätungen auf den Linien der HLB wurden auch angesprochen. Trotz Ausbildung über hundert Zugführern gab es in den letzten Monaten Engpässe aufgrund fehlenden Personals.
„Die gute Wirtschaftslage hat die Situation in allen Bereichen verbessert, so dass viele Zugführer wieder zurück in ihren alten Beruf gegangen sind“, erläuterte Veit Salzmann den Zuhörern. Ab nächsten Montag sollen die Züge wieder planmäßig fahren. Ab 2023 soll es u.a. für die Linie Friedberg – Friedrichsdorf neue Fahrzeuge geben, die auf Wasserstoffbasis fahren. Eine Diskussion mit den Zuhörern entbrannte, welcher Wasserstoff verwendet wird. Gemeinsam wurde dargestellt, dass diese Technologie nur sinnvoll ist, wenn der Wasserstoff als Abfallprodukt oder produziert duch erneuerbare Energien bereitgestellt wird. Eine weitere Forderung aus dem Publikum nach besserer Integration des Fahrradverkehrs wurde weniger erfolgsversprechend diskutiert. Aufgrund der unterschiedlichen und teilweise veralteten Haltestellen sind die Längen der verwendbaren Züge auf 41 Meter begrenzt. „Jede Erweiterung von Fahrradabstellplätzen im Zug geht zu Lasten der Sitzplätze, die aber dringend benötigt werden“ erklärte der Geschäftsführer der HLB. Die Infrastruktur wird von der Bahn Netze bereitgestellt, so dass auch das Problem der unterschiedlichen Bahnsteighöhen, die zu großen Stufen bei Ein- und Ausstieg führen, nicht von der HLB gelöst werden kann. Die Forderungen des Abends lassen sich zusammenfassen
- Schnellerer Ausbau der Gleisverbindungen, Aktivierung stillgelegter Strecken, Ausbau zur Zweigleisigkeit, wie z.B Friedrichsdorf – Friedberg
- Züge mit mehr Sitzplätzen (Mehrere Waggons oder Doppelstock) und Fahrradstellplätzen
- CO2 neutrale Antriebstechnologien
- Gewährleistung der Anschlüsse für umsteigende Fahrgäste im Bahnhof Friedberg
Um den öffentlichen Nahverkehr für die Zukunft fit zu machen bedarf es der Anstrengung aller Beteiligten und politischen Verantwortlichen. Ein Anfang ist die Bereitstellung der finanziellen Mittel wie durch die Initiative „Starke Heimat“ der Grün-schwarzen Landesregierung. „Ein besserer Dialog mit den Bürgern, könnte mehr Verständnis für die Herausforderungen vermitteln“ resumierte Markus Fenske, Magistratsmitglied der Grünen, die erfolgreiche Veranstaltung. „Die Erkenntnisse werden in der Arbeitsgemeinschaft Verkehr der Friedberger Grünen diskutiert werden, so dass politisches Handeln daraus resultiert“, ergänzte Bernd Stiller und lud für die nächsten Termine der Verkehrs AG ein.
Bilder der Veranstaltung

Morgendliche Impressionen am Friedberger Bahnhof






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