Die anhaltende Trockenheit, die spürbare Hitzewelle und die hohe Waldbrandgefahr in Hessen und ganz Europa führen uns allen drastisch vor Augen, wie verwundbar unsere Wälder geworden sind. Vor diesem Hintergrund nehmen die Friedberger Grünen Stellung zu den jüngsten Äußerungen des FW-Fraktionsvorsitzenden Friedrich-Wilhelm Durchdewald zum geplanten Windpark am Winterstein und plädieren für einen sachorientierten Blick auf Ursachen und Lösungen.
Geteilte Sorge um den Zustand des Waldes
„Wir teilen die Sorge um den Zustand des Wintersteins voll und ganz“, erklärt Michaela Schremmer, Fraktionsvorsitzende der Grünen Friedberg. „Die vertrockneten Flächen, der vorzeitige Laubabwurf und die zum Teil nicht mehr existierenden Pegelstände unserer Bäche sind ein Alarmsignal, ebenso die akuten Ernteverluste in der lokalen Landwirtschaft. Diese Schäden sind die direkte Auswirkung der voranschreitenden Klimakatastrophe. Die Bilder brennender Wälder in Süd- und Mitteleuropa sowie die akute Brandwarnstufe vor unserer eigenen Haustür zeigen: Unser Wald leidet seit Jahrzehnten unter der globalen Erwärmung. Der wirksamste Weg, den Winterstein dauerhaft zu schützen und vor weiterem Austrocknen zu bewahren, ist die konsequente Reduktion von Treibhausgasen durch saubere Energien und die Windenergie ist ein bedeutender Teil davon.“
Transparenz bei Flächenbedarf und Gewässerschutz
Um den Bedenken vieler Bürgerinnen und Bürger verlässlich zu begegnen, setzen die Grünen auf transparente Fakten im Planungsverfahren:
- Sehr geringer Flächenverbrauch: Für eine moderne Windenergieanlage wird dauerhaft lediglich eine Fläche von rund 0,5 Hektar benötigt (Fundament) plus zeitlich befristete Flächennutzung in gleicher Größe während der Aufbauphase. Auf das gesamte Waldgebiet Deutschlands bezogen bleibt der dauerhafte Eingriff bei unter einem Prozent, so dass die Versickerung von Regenwasser entgegen der Behauptung von Herrn Durchdewald nahezu nicht beeinträchtigt ist.
- Vorrang für bereits geschädigte Flächen: Die Planungen konzentrieren sich gezielt auf forstwirtschaftlich ohnehin geschwächte Schad- und Kalamitätsflächen (wie abgestorbene Fichtenbestände) sowie bestehende Wirtschaftswege, um intakte Bestände bestmöglich zu schonen.
- Schutz von Grundwasser und Quellen: Windenergieanlagen werden über Flachgründungen in den oberen Bodenschichten verankert. Gesetzlich vorgeschriebene hydrogeologische Fachgutachten im Genehmigungsverfahren stellen sicher, dass Grundwasserströme und die Quellgebiete nicht beeinträchtigt werden, worauf auch das Bundesamt für Geowissenschaften hinweist. Somit entspricht die Behauptung von Herrn Durchdewald, Windräder zerstörten Grundwasserströme, nicht der Realität.
Warum Höhenstandorte für die Energiewende unverzichtbar sind
Den Gedanken der Freien Wähler, den Ausbau primär auf zwei Anlagen im Flachland zwischen Ossenheim, Bruchenbrücken und Wöllstadt zu beschränken, halten die Grünen für nicht ausreichend:
„Auf den Höhenzügen des Taunus weht der Wind physikalisch bedingt wesentlich stärker und kontinuierlicher als in Tallagen. Eine Anlage am Kamm liefert ein Vielfaches des Ertrags einer Flachlandanlage. Das Gebiet am Winterstein wurde vom Regierungspräsidium als Windvorranggebiet identifiziert und es wurde so von der Regionalversammlung beschlossen. Das bedeutet, dass neben den Windpotenzialen Fragestellungen aus Umwelt-, Natur- und Artenschutz, Landschaftsbild, Flugsicherung und Denkmalschutz erörtert und berücksichtigt wurden.
Wenn wir als Kommune Verantwortung für eine sichere, saubere Energieversorgung übernehmen und die gesetzlichen Klimaziele erreichen wollen, kommen wir an windreichen Standorten wie dem Winterstein kaum vorbei.“
Windkraft ermöglicht Investitionen
Zudem betonen die Grünen die wirtschaftlichen Chancen, die auch den Wäldern zugutekommen: Pachteinnahmen aus der Windkraft fließen an die beteiligten Kommunen, die freiwillige finanzielle Beteiligung an den Erträgen neuer Anlagen soll von 0,2 auf 0,3 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) ausgeweitet werden . Diese Gelder werden in den kommenden Haushalten an vielen Stellen dringend gebraucht und dienen auch der notwendigen Finanzierung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen – beispielsweise müssen auch kommende Brandschutzmaßnahmen wie beispielsweise spezialisierte Feuerlöschfahrzeuge bezahlt werden. Auf diese wirtschaftlichen Chancen dürfen und können wir nicht verzichten, müssen diese sogar gemeinsam, zum Vorteil Friedbergs, intensivieren.
Die Rahmenbedingungen für die Windkraft werden aber schwieriger
Die sinkenden garantierten Einspeisevergütungen für die Windkraft sowie die im EEG-Entwurf 2027 geplanten Verschärfungen, insbesondere der sofortige Vergütungsausfall bei negativen Preisen und eine strengere Erlösabschöpfung, aber auch steigende Unsicherheiten bei den Netzanschlussverfügbarkeiten und -kosten, bürden den Betreibern schwer zu kalkulierende Marktrisiken auf und engen die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Projekten zunehmend ein.
Gemeinsam Lösungen finden
Dass es im Zuge nicht absehbarer wirtschaftlicher Veränderungen beim Projektierer ABO Energy zu Abstimmungs- und Verhandlungsbedarf kommt, ist für die Kommunen eine Herausforderung, sollte aber Teil eines sorgfältigen Verfahrens sein.
„Verfahrensfragen müssen wir in der Stadtverordnetenversammlung professionell und lösungsorientiert beraten, anstatt dieses wichtige Vorhaben unsachgemäß infrage zu stellen“, so Christoph Gruss, Mitglied des Parteivorstands und Stadtverordneter der Grünen abschließend. „Klimaschutz und Waldschutz sind keine Gegensätze – sie bedingen einander. Wir laden alle Fraktionen ein, auf der Basis von Fakten und im Sinne kommender Generationen gemeinsam an einer naturverträglichen Umsetzung der Energiewende in Friedberg zu arbeiten. Wir appellieren hierbei auch direkt an das Verantwortungsgefühl der drei Parteien der Kooperation.“
[Text in einfacher Sprache:]
Der Wald am Winterstein
Der Wald am Winterstein ist krank. Viele Bäume sind trocken. Einige Bäume verlieren ihre Blätter zu früh. Viele Bäche haben wenig oder kein Wasser. Auch die Landwirtschaft hat große Ernte-Verluste. Der Klima-Wandel schadet dem Wald.
Die Grünen in Friedberg wollen den Wald schützen. Sie wollen deshalb mehr saubere Energie. Wind-Kraft kann dabei helfen.
Wenig Fläche für Wind-Räder
Ein Wind-Rad braucht nur wenig Fläche. Für ein Wind-Rad braucht man dauerhaft etwa einen halben Hektar. Ein Hektar ist eine Fläche von etwa einem Fußball-Feld. Für den Bau braucht man zeitweise noch etwas mehr Fläche.
Die Planung nutzt vor allem schon geschädigte Wald-Flächen. Dort stehen zum Beispiel viele abgestorbene Fichten. Auch vorhandene Wald-Wege sollen genutzt werden. So bleiben gesunde Wald-Flächen möglichst erhalten.
Schutz von Wasser und Quellen
Wind-Räder können mit einem flachen Fundament gebaut werden. Das Fundament liegt im oberen Boden. Fachleute prüfen vorher das Grund-Wasser. Fachleute prüfen auch die Quellen. So sollen Schäden an Wasser und Quellen verhindert werden.
Wind-Räder auf dem Winterstein
Auf Bergen weht der Wind stärker als in Tälern. Wind-Räder auf Bergen erzeugen deshalb mehr Strom. Der Winterstein ist als Wind-Vorrang-Gebiet ausgewiesen.
Das bedeutet:
- Dort gibt es gute Bedingungen für Wind-Kraft.
- Fachleute haben den Natur-Schutz geprüft.
- Fachleute haben den Arten-Schutz geprüft.
- Fachleute haben den Denkmal-Schutz geprüft.
- Fachleute haben auch das Landschafts-Bild geprüft.
Die Grünen halten Wind-Kraft am Winterstein deshalb für wichtig.
Geld für Friedberg
Wind-Kraft kann auch Geld für Friedberg bringen. Die Städte und Gemeinden bekommen Geld für die Flächen. Sie können damit wichtige Aufgaben bezahlen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Klima-Schutz.
- Schutz vor den Folgen vom Klima-Wandel.
- Schutz vor Wald-Bränden.
- Neue Fahrzeuge für die Feuerwehr.
Die Grünen wollen diese Möglichkeiten nutzen.
Schwierige Bedingungen für Wind-Kraft
Wind-Kraft wird für Betreiber immer schwieriger. Die Betreiber bekommen weniger Geld für den Strom. Neue Regeln können die Einnahmen weiter verringern. Auch die Kosten für Strom-Netze können steigen. Dadurch wird die Planung von Wind-Parks schwieriger.
Gemeinsam eine Lösung finden
Die Firma ABO Energy plant den Wind-Park. Die Firma muss einige Fragen mit den Kommunen klären. Die Grünen wollen diese Fragen gemeinsam lösen. Die Stadt-Verordneten-Versammlung soll die Fragen beraten.
Dabei sollen Fakten wichtig sein. Wald-Schutz und Klima-Schutz gehören zusammen. Die Grünen wollen gemeinsam mit allen Parteien eine gute Lösung finden. Die Lösung soll den Wald möglichst wenig belasten. Sie soll auch die Energie-Versorgung in Friedberg sichern.